Vom feinen Staub und dem zarten Hauch des Zeitgeists in der Reformhaus-Werbe-Welt

By Johannes M. at 13 Oktober, 2009, 4:05 pm

Mit den fallenden Temperaturen stellen sich die ersten ernsthaften Gedankenspiele ein, wie man einer herannahenden Erkältung möglicherweise entgehen könnte. Bio-Laden? Nein, es sollte doch wieder einmal das alte, klassische Reformhaus genauer inspiziert werden. Jedoch, schon der erste Blick ins Schaufenster lässt Ernüchterung einkehren: Mein Gott, ist hier etwa die Zeit stehen geblieben? Nein, wie kann man nur! “Salus” aus dem Lateinischen kommend, was so viel wie “Rettung”, “Gesundheit”, “Wohlbefinden” aber auch “Gruß” im Sinne des französischen “Salut” bedeutet und so locker daher kommen könnte, lautet der Name eines übergroßen Reformhaus-Produzenten von Natur- und Arzneimitteln. (www.salus.de). Dieser Riese wirkt so verstaubt wie vor Jahrzehnten. Immerhin beträgt laut Firmen-Homepage der Umsatz rund 100 Millionen Euro und auch etwa 40 % der Produktion gehen in den Export. Okay, okay, bei solchen Umsatz-Sicherheiten mag es eventuell einerlei sein, wenn das Image der Ewiggestrigen gepflegt oder auch gar nicht gepflegt wird. Sicher, auch die Tees von Salus schmecken eher trocken kratzig und bitter, auch wenn sie wirksam sein sollen.

Der Blick durchs Schaufenster wandert weiter und bleibt auf einem altbekannten Mädchen mit knallroten Bäckchen und einem himmelblauen Kopftuch haften. (www.rotbaeckchen.de) Die kenn ich doch, nein älter wird dieses “Kindelein” auch mit den Jahren nicht. Ja, neuerdings tragen kleine Mädchen auch im realen Leben wieder Kopftücher. Das könnte also voll retro und somit wieder zeitgemäß sein. Der Blick auf die Homepage von Rotbäckchen belegt, dass die Vermutung durchaus richtig war. Rotbäckchen verfügt über einen eigenen Fan-Bereich. Wer hätte das gedacht? Taschen, T-Shirts, Blechkarten und -Kalender, Memory-Magneten oder Thermometer warten auf die Fans und Käufer. Rotbäckchen ist scheinbar doch in der Jetzt-Zeit angekommen und trumpft nicht nur mit seinen Säften, die bei Kindern nur mäßig beliebt sind.

Das lachende Fuß-Logo von Sixtus (www.sixtuwohl.de) hat ebenfalls allen Zeitgeist unbeschadet überstanden. Die Homepage allerdings belegt, dass das bayrische Traditionsunternehmen sich sehr wohl mit Fragen der Marktforschung beschäftigt und voller Unternehmer-Stolz einen Beauty-Forum-Award aus dem Jahr 2008, einen 1. Platz im Marktsegment Fußpflege, sein Eigen nennen kann. Die Firmengeschichte seit 1931 verweist auf einige Innovationen wie auf die 1998 erfolgreiche Einführung der Sixtumed Pflegeserie für Diabetiker oder eine “Fresh-Feet-Serie” eine sogenannte Pflegeserie für die “Turnschuh-Generation”. Also geht doch ein laues Lüftchen auch durch die Reformhaus-Welt.

Im nächsten Schaufenster prangt das bekannte TRIBUTE TO BAMBI-Logo auf zwei Saft-Flaschen der Marke Rabenhorst der Geschmacksrichtung Cherimoya Granatapfel sowie Heidelbeer Cranberry. (www.rabenhorst.de) Bei den Saftherstellern wurden diese Saftkomposition eigens zu guten Zwecken zusammengemischt. Rabenhorst outet sich als offizieller Charity-Partner von TRIBUTE TO BAMBI 2009. Eine Charity-Aktion zugunsten hilfsbedürftiger Kinder in Deutschland. Bei allem Gut-Menschentum von Charity & Co, die natürlich immer nur von einer gesunden Firmen-Basis ausgehend veranstaltet werden können, scheint man nach wie vor in Reformhäusern gutes Geld verdienen zu können. Gutes tun wird auch der Salus-Tee. Das wird aber auf morgen verschoben.

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