Google und das Microsoft Office Prinzip

By Berkay at 11 Februar, 2010, 7:36 pm

Vor kurzem hat Google darüber berichtet, dass sie mit „Buzz“ die Social Networks Facebook, Twitter, Yelp und noch andere Firmen angreifen wollen. Jetzt fragen wir uns: Kann dies erfolgreich verlaufen? Eventuell schon, denn es hat den Anschein, dass Google sich das Prinzip von Microsoft abgekupfert hat.

In den neunziger Jahren kannten wir einige Office-Programme, die den Büro-Alltag für uns füllten. Die populärste Textverarbeitungs-Software war unumstritten WordPerfect, für Tabellenkalkulationen Lotus 123 und für Präsentationen Harvard Graphics. Wer mit Datenbanken hantierte, griff zu der Software dBase. Innerhalb dieses Jahrzehnts gab es einen Wandel und die Produkte sind quasi vom Markt verschwunden. Denn diese Produkte wurden von einer Software-Plattform vereint, und zwar – wer hätte es wohl nicht gedacht – von Microsoft Office.

Es ging eigentlich nicht darum, dass Microsoft die besten Einzelprodukte angeboten hat, sondern darum, dass sie eine bessere Strategie verfolgten. Durch die geschickte Bündelung der einzelnen Office-Programme konnten Benutzer nun sehr einfach auf verschiedene Produkte zugreifen, ohne müheselig einzelne Produkte zu erwerben. Noch wichtiger für viele Büro-Anwender aber war es, dass die Produkte miteinander sehr gut kommunizierten. Für Microsoft bedeutete die Zufriedenheit bei den Kunden, dass sie ihre Marktposition weiter ausbauen und für viele Firmen in unerreichbare Ferne rücken konnten.

Google will demnach mit Buzz auf das Erfolgsrezept von Microsoft Office zurückgreifen. Diejenigen aber, die schon mit dem Dienst in Kontakt getreten sind, werden schnell festgestellt haben, dass die angebotene Plattform keineswegs leistungsfähiger ist als die der Konkurrenz. Das Gegenteil ist sogar der Fall: Die veröffentlichte Version von Buzz ist sehr mager gestaltet und auch die Bedienung ist sehr irreführend. Dennoch steckt in Buzz sehr viel Potenzial. Dieser Dienst vereint alle Funktionalitäten in einem.

Wie ich aber schon erwähnt habe, bietet Buzz nichts Außergewöhnliches an, um sich von der Masse abzuheben. Doch Google besitzt Marketing-Strategien, die sonst keine andere Firma besitzt.

Hier sind einige Vorteile mal aufgelistet:

- Wie Ihr wahrscheinlich selber wisst, ist Google als Suchmaschine bekannt und übt auch derzeit eine Monopolstellung aus, wie keine andere Firma im Web. Der Suchmaschinengigant kontrolliert große Teiles des Webs, sei es durch Traffic oder durch Geldströme. Man kann auch sagen, dass Google in diesem Bereich Microsoft Windows wiederspiegelt. Google sagt immer selber über sich, dass Suchergebnisse nach Relevanz dargestellt werden und nicht nach kommerziellen Absichten. Doch stellen wir uns mal vor, wenn Google ein Buzz-Profil zum Beispiel vor einem Facebook-Account auflisten würde. Man könnte so auch sagen, dass Relevanz genau das ist, was Google sich unter diesem Begriff vorstellt.

- Es wird zwar nicht oft darüber diskutiert, aber vermutlich ist Google der einzige, der wohlmöglich mehr über die einzelnen Internetbenutzer kennt, als jedes andere Unternehmen, eventuell mit der Ausnahme von Facebook.

- Schauen wir uns mal die Mitgliederanzahl von G-Mail an. Laut einer Statistik von Google verfügen derzeit 150 Millionen Menschen ein G-Mail-Konto. Es ist bewiesen worden, dass ein großer Teil dieser Benutzer sehr neugierig und offen für neue Features sind. Da Buzz direkt im G-Mail-Konto integriert ist, werden die Benutzer keine Scheu davor haben, früher oder später dieses zu testen.

- Ein weiterer Vorteil von Google ist, dass sie die größte und leistungsfähigste Kartenmaterial-Plattform besitzen, nämlich Google Maps. Da Smartphones mehr und mehr beliebter werden, kann man sich in Zukunft darauf einstellen, dass Buzz auf Google Maps zurückgreifen wird, um so ortsgebundene Nachrichten zu verteilen.

- Was man natürlich auf keinen Fall vergessen sollte, ist die Videoplattform YouTube. Da dieser Dienst zu den populärsten Social Networks zählt, hat Google eine hervorragende Basis, um Buzz zu vermarkten.

Selbstverständlich kann man diese Liste noch erweitern, aber man muss hier auch erwähnen, dass Google bisher nie erfolgreich damit war, seine einzelnen Produkte „richtig“ zu integrieren. Doch dies ist auch nicht das Ziel von Buzz, wie ich es schon am Anfang des Artikels erläutert habe, sondern es ist die Vereinigung der verschiedenen Aspekte in einem Dienst.

Auch sollte man nicht alle seine Karten aufs Spiel setzen und darauf hoffen, dass Google Buzz seine Konkurrenz abhängen wird. Denn dies ist noch lange nicht der Fall. Wenn wir den Vergleich wieder zu Microsoft ziehen, dauert es erst einige Zeit, bis ein Produkt sich auf dem Markt etabliert hat. Es könnte die zweite Version, die dritte oder sogar die vierte Version sein. Google sollte geduldig sein und weiter an seinem Produkt schrauben. Experimentierfreudigkeit sollte eine große Rolle spielen.

Was denkt Ihr über den neuen Dienst von Google? Seht Ihr das große Potenzial darin? Schreibt eure Meinung dazu.

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