Die Wahl ist gelaufen: Zwischen Promi-Effekt und Spartei
By Johannes M. at 13 Oktober, 2009, 4:01 pm
Ob es viel wirklich geholfen hat, wird sich erweisen, wenn alle Stimmen ausgezählt und das Parlament neu aufgemischt sein wird. Landauf, landab wurde der Bundestags-Wahlkampf 2009 als lahme Veranstaltung verschrien, was allerdings mitnichten am Engagement der Vielzahl prominenter Wahlkampfhelfer gelegen haben kann. Mit Leidenschaft und bisweilen mit Übereifer haben sich diese Herrschaften in die Wahl-Werbe-Trommel geworfen und auf name-droping mit Promi- und Schwiegermutter-Effekt gesetzt, um mit ihrer vermeintlichen Bedeutung und ihrem Vorbildcharakter ihre Fans zur Wahl ihrer Lieblingspartei zu aktivieren. Der Glanz der Star sollte nicht nur die jeweilige Partei beleuchten und zum Strahlen bringen, sondern auch beim noch unentschiedenen Wähler das entsprechende Knöpfchen drücken, damit bei denen für ihre Wahlentscheidung ein Licht aufginge.
Viel prominentes Gewicht hatte sich in den SPD-Werbe-Wahlkampf geworfen: Die Super-Nanny und Diplom-Pädagogin Katharina Saalfrank hatte schon seit Monaten in Kindergärten mehr hintergründig als vordergründig für ihre Partei geworben. Alt-Veteran und Literatur-Nobelpreis-Schriftsteller Günter Grass kämpfte wieder einmal für seine Partei. Natürlich nicht ohne dass der alte Trommler auch an die Eigenwerbung dachte und den 50sten Geburtstag der “Blechtrommel” mit in seinen Werbeauftritt verflocht. Auch andere Autoren wie die Schriftstellerin und Juristin Juli Zeh, die eben noch mit ihrem neuesten Buch “Angriff auf die Freiheit” bei Hanser zusammen mit Ilija Trojanow ihre politische Wachheit bewiesen hatte, sprang in den SPD-Werbe-Wahlkampf. Die Schauspielerinnen und Kabarettistinnen Kroymann und Fitz warben und kämpften für die SPD entsprechend ihrer Veranlagungen: Maren Kroymann warb den Schwulen und Lesben und Lisa Fitz versuchte die eher älteren Feger zu aktivieren. Die Palette der Musiker, die in ihrem Dur und Moll ihr persönliches Loblied auf die Sozialdemokraten sangen, war breit verteilt und reichte vom Klassiker Thomas Quast über Peter Maffay und Roland Kaiser, die beide die Kategorie Frauenschwarm bedienen bis zu Sebastian Krumbiegel von den Prinzen. Die Schauspieler und Migranten Renan Dirkan und Adnan Maral traten im Werbe-Wahlkampf für die Rekrutierung ihrer Landsleute mit deutschem Pass auf, von denen sehr wohl bekannt ist, dass sie einerseits eher konservativ sind, aber dennoch dazu tendieren, ihr Kreuzchen bei den Sozialdemokraten zu setzen. Für die CDU-Werbewahl kämpften wie immer Heiner Lauterbach, Uschi Glas, Wolfgang Joop, Gunter Emmerich, Heide Dechsler und Regina Halmich. Die Schauspieler Ralf Möller und Sky DuMont, der Verleger Florian Langenscheidt, der Sportler Tim Lobinger und der Sänger Bernhard Brink sprangen für die FDP in die Wahlkampf-Werbe-Bresche und die Linken konnten sich wie immer auf das Werbe-Engagement ihres Ex-Bundespräsidentschaftskandidaten und Ex-Tatort-Kommissars Peter Sodan verlassen. Auch der charmante Schriftsteller Wladimir Kaminer outet ist als Wahlkampf-Maskottchen für Die Linke. Moderator Dirk Bach warf seine Beliebtheit ebenso wie die Sängerin Nina Hagen und der Schriftsteller Feridun Zaimoglu ins Wahl-Werbe-Rennen der Grünen. Während die Schauspielerin Jasmin Tabatabei für die Grünen nicht nur in Persona agitierte, sondern auch mit dem Film Perseopolis, wo ihre Stimme synchronisierend agiert, Grüne-Wahlwerbekampf-Veranstaltungen auflockerte.
Ottfried Fischer, ansonsten bekennender SPD-Wahl-Kampf-Werbeträger, hatte diesmal seine andere Werbestrategie verändert und trat nur in seiner zweiten Profession als Werbe-Figur für die Möbel-Märkte Mann Mobilia http://www.xxxlmannmobilia.de/ zur Aktivierung auf. Fischer sandte dabei einen generellen Wahlaufruf an mögliche Nicht-Wähler im deutschen Volke, indem er die Gewissensfrage gestellt: “Ob sich Waltraud denn auch zur Wahl traut?” Die selbst ernannte real,- Spartei des SB-Warenhauses real,- (www.real.de), die seit Wochen ihren üblichen Slogan “Einmal hin. Alles drin.” wahlkampftechnisch für ihre Zwecke erweitert hatte, will sich nun in der Nach-Wahlkampf-Saison mit “Dankepreise für unsere Wähler” revanchieren. Da im deutschen Wahlkampf bei den echten Wählern der Stimmabgabe keine Finger markiert werden, werden bei real,- ganz im Sinne von Wettbewerb und Marktwirtschaft auch Nicht-Wähler Nutznießer der Dankepreise werden.

Noch keine Kommentare